Landesstrategie Baden-Württemberg „Nachhaltige Bioökonomie“

Die Landesregierung Baden-Württemberg hat im Koalitionsvertrag die Erarbeitung einer Landesstrategie "Nachhaltige Bioökonomie" verankert. Basis für die Erarbeitung ist ein Beteiligungsprozess, für den die BIOPRO Baden-Württemberg die Projektleitung übernimmt.

Glossar

  • Biotechnologie ist die Lehre aller Verfahren, die lebende Zellen oder Enzyme zur Stoffumwandlung und Stoffproduktion nutzen.
  • Transformation ist die natürliche Fähigkeit mancher Bakterienarten, freie DNA aus der Umgebung durch ihre Zellwand hindurch aufzunehmen. In der Gentechnik wird die Transformation häufig dazu benutzt, um rekombinante Plasmide, z. B. in E. coli, einzuschleusen. Hierbei handelt es sich um eine modifizierte Form der natürlichen Transformation.
  • Das Kunstwort Bionik ist ein Konstrukt aus den Begriffen Biologie und Technik. International wird eher der Ausdruck Biomimetik verwendet, der sich von den englischen Wörtern biology (Biologie) und mimesis (Nachahmung) ableitet. Ziel dieses interdisziplinären Wissenschaftszweiges ist die Umsetzung von Erkenntnissen aus der biologischen Forschung in innovative technische Anwendungen.
  • Als Biomasse wird die gesamte Masse an organischem Material in einem definierten Ökosystem bezeichnet, das biochemisch – durch Wachstum und Stoffwechsel von Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen – synthetisiert wurde. Damit umfasst sie die Masse aller Lebewesen, der abgestorbenen Organismen und die organischen Stoffwechselprodukte.

Die BIOPRO Baden-Württemberg, zentraler Ansprechpartner für die Bioökonomie in Baden-Württemberg, wird von den Ministerien für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft (UM) und für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) gefördert, um in offenen Beteiligungsprozessen in zwei ressortspezifischen Teilsträngen Empfehlungen für eine Landesstrategie „Nachhaltige Bioökonomie“ zu entwickeln.

Die Forschungsstrategie „Bioökonomie im System aufstellen“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) sowie die Ergebnisse aus dem Bioökonomie-Forschungsprogramm sollen im Rahmen der Erstellung der Landesstrategie berücksichtigt werden.

Bioökonomie-Definition

In den Strategieprozessen wird die Bioökonomie-Definition des Bioökonomierats von 2016 zugrunde gelegt: Die Bioökonomie wird definiert als die Erzeugung und Nutzung biologischer Ressourcen (auch Wissen), um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren im Rahmen eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems bereitzustellen.

Ziel der Beteiligungsprozesse

In 2018 finden – organisiert in Arbeitskreisen – Treffen mit den Stakeholdern einer Bioökonomie statt, um Handlungsempfehlungen für die Entwicklung einer nachhaltigen Bioökonomie in Baden-Württemberg zu formulieren. Erwartet werden konkrete Hinweise, welche Themen im Land unter Berücksichtigung der bestehenden Wirtschafts- und Industriestruktur zentral sind – dies auf Basis der Voraussetzungen in Baden-Württemberg und des Potenzials. Daraus sollen strategische Ansätze in Form von Handlungsempfehlungen für einleitende und unterstützende Maßnahmen für die Transformation hin zu einer nachhaltigen Bioökonomie abgeleitet werden. Die Arbeitskreise sind bereits gestartet, eine Mitwirkung ist jedoch auch weiterhin möglich. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an unsere Ansprechpartner.

Die folgenden Themen werden in den Arbeitskreisen diskutiert:

Teilstrang "Plan B"

Teilstrang „Plan B“ – Nachhaltige Bioökonomie in urbanen und industriellen Räumen

Im Fokus des Strategieprozesses „Plan B – Nachhaltige Bioökonomie in urbanen und industriellen Räumen“ unter der Federführung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM) stehen die Nutzung biologischer Ressourcen als Output von urbanen und industriellen Prozessen als Rohstoffquelle sowie biologischer Prozesse und Prinzipien. Der Bioökonomiebegriff wird hier über die Biomassenutzung hinaus in Anlehnung der Empfehlung des Bioökonomierates der Bundesregierung von 2016 weiter gefasst. Auch bioinspirierte Anwendungen wie die Biotechnologie und weitere Technologien und Prozesse (z.B. Bionik) sowie die Schließung von Stoffkreisläufen sollen im Strang des UM berücksichtigt werden.

Hierzu wurden vier Arbeitskreise (AK), die folgende Themen erarbeiten sollen, eingerichtet. 2018 finden je Arbeitskreis fünf Sitzungen statt.

Der AK 1 Plan B betrachtet biobasierte und bioinspirierte Verfahren, Prozesse und Systeme und deren Anwendungsmöglichkeiten.

Der AK 2 Plan B beschäftigt sich mit der Technologieentwicklung und Innovation zur Erschließung von Rohstoffen aus neuen Rohstoffquellen.

Der AK 3 Plan B identifiziert Kriterien und Indikatoren zur Bewertung der Bioökonomie als Beitrag zur Nachhaltigkeit im Land.

Der AK 4 Plan B beschäftigt sich mit Kommunikation und der Vernetzung von Branchenteilnehmern, die für den Aufbau einer Bioökonomie in Baden-Württemberg einen Beitrag leisten können. Damit stehen z.B. kollektive Innovationsprozesse, wie in der Innovationsökonomie beschrieben, im Fokus.

Teilstrang "BioWerZ"

Teilstrang „BioWerZ“ – Nachhaltige Bioökonomie für die ländlichen Räume

Unter der Federführung des Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) wird in einem Dialogprozess der Teilstrang „BioWerZ“ (Bioökonomie – Wertschöpfung mit Zukunft) mit Fokus auf die ländlichen Räume entwickelt. Das MLR versteht unter der Bioökonomie jede Wertschöpfung mit Bezug zu und auf Basis von Biomasse (biogenem Kohlenstoff).

Im Fokus des Dialogprozesses „BioWerZ“ für die ländlichen Räume des Landwirtschaftsministeriums stehen dabei die effiziente und umweltgerechte Erzeugung von Rohstoffen aus Land-/Forst- und Fischereiwirtschaft und deren hochwertige Nutzung für traditionelle und innovative Produkte. Nebenströme und Reststoffe aus der Biomasseerzeugung und -verarbeitung im Sinne einer Koppel- und Kaskadennutzung sollen explizit miteinbezogen werden. Hierzu wurden ebenfalls vier Arbeitskreise mit folgenden Themen eingerichtet:

In AK 1 BioWerZ geht es um die Erzeugung und Bereitstellung von Biomasse – also um Verfahren und Technologien zur Biomasseproduktion sowie um Stoff- und Nebenströme aus der Biomasseproduktion.

Der AK 2 BioWerZ beschäftigt sich mit innovativen Technologien und Prozessen zur Biomassenutzung und daraus herstellbaren Produkten. Dabei steht auch die Frage, wie die nachhaltige Nutzung von biogenen Roh- und Reststoffen im Sinne einer Bioökonomie für Unternehmen in Baden-Württemberg interessant gemacht werden kann, zur Beantwortung.

Der AK 3 BioWerZ nimmt die Schaffung politischer Rahmenbedingungen in den Blick. Er greift die Themen aus AK 1 und AK 2 auf und prüft, wo Innovationshemmnisse aufgrund von Rahmenbedingungen bestehen, und spricht Empfehlungen aus, wie optimale Rahmenbedingungen aussehen können.

Der AK 4 BioWerZ beschäftigt sich mit Wissenstransfer und Konzepten für den Dialog mit der Gesellschaft. Für die Diskussion dieses Themas sind alle gesellschaftlichen Gruppen angesprochen.

Übersichtsgrafik

© BIOPRO

Ansprechpartner bei der BIOPRO Baden-Württemberg

Gesamtprojektleitung für die Strategieprozesse:
Dr. Barbara Jonischkeit, jonischkeit(at)bio-pro.de

Für den Teilstrang „Plan B“:
Vanessa Kelsch, kelsch(at)bio-pro.de

Für den Teilstrang „BioWerZ“:
Michael Stein, stein(at)bio-pro.de

Seiten-Adresse: https://www.biofabnet.de/de/projekte/beteiligungsprozess-nachhaltige-biooekonomie/